Neues aus der Forschung

Bananen und Beeren – Keine gute Kombination?

679a9c2a3fd1b.webp
Carina Wohlleben
Carina Wohlleben
Herbivora-Teammitglied

Vielleicht hast du es schon auf Social Media gesehen: Viele Ernährungs-Influencer behaupten derzeit, dass du Bananen und Blaubeeren nicht in einem Smoothie kombinieren solltest ❌. Doch was steckt wirklich dahinter?

Warum sollen Bananen und Beeren nicht zusammenpassen?

Laut einer verbreiteten These enthält die Banane eine hohe Konzentration des Enzyms Polyphenol-Oxidase (PPO), das die Aufnahme von Flavonoiden hemmen soll. Flavonoide sind sekundäre Pflanzenstoffe, die in Beeren vorkommen und antioxidative Eigenschaften besitzen. Angeblich würde die Kombination von Bananen und Beeren also dazu führen, dass unser Körper weniger von diesen wertvollen Pflanzenstoffen aufnehmen kann.

Die wissenschaftliche Grundlage – Was sagt die Studie wirklich?

Eine oft zitierte Studie hat genau diesen Zusammenhang untersucht. Dabei wurden zwei Experimente durchgeführt:

Experiment 1: Smoothie- und Kapseltest

Teilnehmer: 8 gesunde Männer Testprodukte:

  1. Ein Smoothie mit hohem Flavonoidgehalt auf Bananenbasis (reich an PPO) 🍌
  2. Ein Smoothie mit hohem Flavonoidgehalt auf Beerenbasis (geringer PPO-Gehalt) 🫐
  3. Flavonoide in Kapselform 💊

Ergebnis: Nach dem Konsum des Bananensmoothies war der Flavonoid-Spiegel im Blut um 84 % niedriger als nach der Einnahme der Kapseln. Der Beeren-Smoothie zeigte hingegen keine signifikante Reduktion.

Experiment 2: Kapseln & Banane

Teilnehmer: 11 gesunde Männer Ablauf: Die Probanden nahmen zunächst Flavonoide in Kapselform ein und aßen anschließend eine Banane. Wieder zeigte sich eine Reduktion des Flavonoid-Gehalts im Blut. Die Forschenden schlussfolgerten, dass die PPO-Enzyme in Bananen den Abbau der Flavonoide bereits im Magen beeinflussen.

Kritische Betrachtung der Studie

Trotz dieser Ergebnisse gibt es einige Punkte, die kritisch hinterfragt werden sollten:

  1. Kleine Stichprobe: Die Studie wurde nur an 8 bzw. 11 gesunden Männern durchgeführt – zu wenig, um verallgemeinerbare Aussagen zu treffen.
  2. Eingeschränkte Teilnehmergruppe: Frauen oder Menschen mit vegetarischer bzw. veganer Ernährung wurden ausgeschlossen.
  3. Künstliches Setting: Die Teilnehmer mussten 12 Stunden fasten und durften keinen Alkohol, Kakao oder Koffein konsumieren. Dies entspricht nicht einer alltäglichen Ernährung.
  4. Kein direkter Vergleich mit Beeren: In Experiment 1 wurden standardisierte Kakaoextrakte anstelle von Beeren verwendet.
  5. Keine klare Alltagsempfehlung: Es wurde nicht konkret geprüft, wie sich eine normale Ernährung mit Bananen und Beeren auswirkt.

Fazit: Muss man auf die Kombination verzichten?

Die Studie liefert interessante Hinweise, aber sie allein reicht nicht aus, um die Kombination von Bananen und Beeren in Smoothies generell als schlecht zu bewerten. Die Ergebnisse werden in sozialen Medien oft unkritisch übernommen und aus dem Zusammenhang gerissen.

Mein Tipp: Genieße weiterhin deine Smoothies mit Bananen und Beeren! Eine vielseitige Ernährung mit vielen verschiedenen Pflanzenstoffen ist langfristig wichtiger als die Angst vor einzelnen Kombinationen.

Quellen

Originalstudie: https://pubs.rsc.org/en/content/articlelanding/2023/FO/D3FO01599H